Homöopathische Wissenschaft

Prof. Dr. M. Dinges und Prof. Dr. R. Jütte sagen: Es handelt sich um die erste systematische Untersuchung dieses für die Homöopathie lange Zeit als grundlegend betrachteten Experiments. Lochbrunner rekonstruiert zunächst sorgfältig den Versuch selbst, dann weitere zeitgenössische Prüfungen der Wirkung von Chinarinde bis hin zu den publizistisch ausgeschlachteten „Wiederholungsversuchen“ der jüngsten Vergangenheit [hier ein weiterer publizistischer Ausschlachtungsversuch]. In einem weiteren Schritt arbeitet sie die internen und externen Bewertungen des Experiments durch die Homöopathen und ihre Gegner auf. Sie kann zeigen, dass Hahnemanns Versuch nur als eine, wenn auch wichtige Etappe innerhalb der Entwicklung der Homöopathie, insbesondere ihrer Arzneimittelprüfungen, betrachtet werden kann. Deshalb ist sie sehr skeptisch, ob man den Chinarindenversuch tatsächlich weiterhin als „Schlüsselexperiment“ der Homöopathie betrachten sollte. Ihre wissenschaftsgeschichtlich exzellente Analyse könnte nicht zuletzt einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der öffentlichen Auseinandersetzung um die Homöopathie leisten.

B. Lochbrunner sagt: Er regt Überlegungen über das wissenschaftliche Denken in der Medizin an, da es erstaunt, dass ein Pharmakologe wie Professor Habermann seine Grundsätze in der Beschäftigung mit der Homöopathie über Bord wirft. Der Vollzug eines Einzelexperiments im Hörsaal lässt keine wissenschaftliche Aussage zu. Weiterhin ist es ein Fehlschluss, Hahnemanns Selbstversuch als Arzneimittelprüfung im homöopathischen Sinne (HAMP) zu verstehen. Diese hat Hahnemann in seinem Forschen erst erarbeitet, und so konnte er beim ersten Versuch diese Kriterien gar nicht erfüllen:

  • Es bedarf einer Vorbereitungszeit.
  • Die gesunden Probanden sollen während der Prüfungsphase gemäßigt leben, d.h. ohne Stress, Ausschweifungen, alkoholische oder kulinarische Exzesse.
  • Die Prüfsubstanz wird solange eingenommen, bis Symptome auftreten. [DER IS GEIL, Anm.]

[…]

Ergebnisse ihrer Arbeit:

  • Der Chinarindenversuch spielt innerhalb der Homöopathie eine untergeordnete Bedeutung, was ihre Rechtfertigung betrifft.
  • Der Chinarindenversuch ist keine Arzneimittelprüfung im homöopathischen Sinne. [WTF?? Ja dann gibt es keine HAMPs!]
  • Hahnemann hat 27 Jahre nach dem Versuch China nochmals geprüft, dabei scheint er seine eigenen Symptome aus 1790 nicht mitaufgenommen zu haben.
  • Der Vorlesungsversuch von Prof. Habermann hat neben wissenschaftlichem/didaktischem Interesse polemischen Charakter.
  • Der Streit um den Chinarindenversuch regt zur Reflektion über Wissenschaft und den Umgang mit Daten und Theorien an. [Ja wenn dies nicht zur Reflexion über die Homöopathie anregt??]

Hans-Joachim Krämer und Ernst Habermann sagen: Wir sind nicht sicher, ob der Versuch von Hahnemann selbst oder von wem auch sonst unter Originalbedingungen, das heißt mit Cortex chinae in hoher Dosis, jemals wiederholt wurde. Prüfungen mit Chinin, bereits 1841 angestellt, erbrachten nicht das erwartete Ergebnis. Der Greifswalder Pharmakologe Schulz, sicher kein Gegner der Homöopathie, fand unter niedrigen Dosen Chinin (5 bis 10 mg, äquivalent etwa 100 mg Rohdroge) die Körpertemperatur gesunder Probanden unverändert. Hahnemann selbst hatte noch kein Fieberthermometer. Entsprechend der damaligen Definition setzte er Fieber mit beschleunigtem Puls gleich. Daher rechnete er auch sehr starken Kaffee oder Branntwein neben Ignazbohne, Arsenik und Pfeffer zu den fiebererzeugenden, das Wechselfieber spezifisch hemmenden Substanzen. Änderungen der Herzaktion durch China-Alkaloide sind bekannt, desgleichen Rötung der Haut; beide Kreislaufreaktionen wurdenn auch von Hahnemann registriert. Aber daß sich die Bedeutung des Wortes Fieber seither gewandelt hat, ist manchem Vertreter der Homöopathie unbekannt.

[…]

Bayr meint schließlich: Hahnemann entdeckte das Similia similibus, weil er ein wissenschaftlich fehlerhaftes Experiment homöopathisch richtig interpretierte. Führte man Bayrs Gedanken weiter, dann wäre Homöopathie keine Erfahrungs-, sondern eine Irrtumswissenschaft. Dieser Geburtsfehler besteht fort: Wenn sich ein Schlüsselexperiment als fehlerhaft erweist und nicht widerrufen wird, gedeiht kein Fortschritt. Die seitherige Geschichte der Homöopathie ist dafür ein Lehrstück. Ärzte, die unsere Befunde überprüfen wollen, sind zu weiteren Selbstversuchen, vor allem solchen mit höherer Dosis, in unserem Labor herzlich eingeladen. Reisekosten innerhalb Deutschlands werden erstattet.

Wenn sich ein Schlüsselexperiment als fehlerhaft erweist und nicht widerrufen wird, gedeiht kein Fortschritt!

Hail Eris und Ramen

Mr_MIR @ live.de
(Ein Pirat, der mehr über die Homöopathie weiss als der mittlere Homöopath)

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