Mrs. MIR geht in Apotheken

Um meinem Heiligen Namen „Mrs. MIR“ gerecht zu werden, war ich heute ein wenig unterwegs, und zwar in 3 niederösterreichischen Apotheken. Ich wollte ein paar Informationen zum Thema Homöopathie einholen und zudem wissen, wann denn endlich die sanften, traditionellen und nebenwirkungsfreien FSMoPathika in den Apotheken erhältlich sein werden.

Apotheke 1

Das Schaufenster ist voll mit Homöopathie, Bachblüten und dem Versprechen, dass es der Kunde es hier ganz sanft und ganzheitlich bekommt.

Mrs. MIR: Ich habe in letzter Zeit öfter mal ein leichtes Brennen im Hals. Nun hat meine Nachbarin gemeint, ich solle es mal mit Homöopathie versuchen. Angeblich wirkt es bei ihr und auch bei ihrem Hund sehr gut. Ich habe ein paar Infos im Internet eingeholt und gelesen, dass der Wirkstoff bei der Homöopathie zum Teil so verdünnt ist, dass ich ihn auch aus dem Bodensee trinken könnte. Sagen Sie, kann das denn überhaupt noch eine Wirkung haben?

X: (Guckt etwas verdutzt und lacht dann kurz auf)
Die Homöopathie ist nicht mit der Schulmedizin vergleichbar. Das ist eine sehr alte Methode  die bei vielen wirkt. Man weiß nicht genau wie aber viele Kunden sind sehr zufrieden damit.

Mrs. MIR: Wie muss ich das verstehen? Ist es ein Placebo oder muss ich daran glauben?

X: (gibt eine Antwort, aber nicht eine passende zu meiner Frage)
In der Homöopathie glaubt man, dass man gleiches mit gleiches bekämpfen kann. Durch Verdünnen erreicht man eine hohe Wirkung, und je öfter ein Wirkstoff verdünnt wird, desto stärker ist seine Wirkung. Wenn Sie zum Beispiel Halsweh haben, dann müssen Sie etwas nehmen, das Halsweh auslöst.

Mrs. MIR: Mehr drin, obwohl ich weniger rein tue? Hm, das klingt sehr unlogisch, finden Sie nicht auch?

(Wende mich kurz an eine Frau, die hinter mir wartet, und etwas gemurmelt hat)
Klingt das für Sie logisch?

Kundin: Sicher nicht. Ich glaube
nicht an sowas (lacht)

X: Wie gesagt, die Methode ist sehr alt und viele Kunden schwören darauf.

Mrs. MIR: Ich habe auch gelesen, dass in der Homöopathie Wasser informiert wird. Wie muss ich mir das vorstellen?

X: (guckt zur Kollegin)
Das kann ich ihnen leider nicht genau sagen, aber das sind energetische Vorgänge.

Mrs. MIR: Und wer garantiert mir, dass das Wasser in meinem homöopathischen Mittel richtig informiert? Wird es vor dem Informieren de-informiert?

X: Genau. Das können die Experten, die es herstellen vorher machen. Aber fragen Sie mich nicht wie.
Wollen Sie es nun homöopathisch versuchen?

Mrs. MIR: (lächle so charmant ich kann)
Nein, danke.

Apotheke 2

Das Schaufenster sieht ganz ok aus. Drinnen springt mich sofort ein Ständer mit Büchern an: Sanftes Heilen mit Homöopathie. Detox. Bachblüten – die sanfte Alternative für Ihr Kind.

Mrs. MIR: Guten Tag. Führen sie FSMoPathika?

X: Wie bitte?

Mrs. MIR: FSMoPathika. Die sanfte Alternative zur Homöopathie.

X: Das führen wir glaube ich nicht. Was ist das genau?

(Ich hole 2 A4 Blätter mit Infos aus meiner Jackentasche. Die Angestellte fängt interessiert zu lesen an und murmelt einige male „aha“ und „ach so“)

Mrs. MIR: Gucken Sie – (ich zeige ihr eine markierte Stelle auf meinem Info-Material) – da werden die heilenden Informationen direkt und individuell aufgesprochen.

X: Das ist aber wie Homöopathie, nicht?

Mrs. MIR: Das müssen Sie mir sagen. Ich als Laie sehe keinen Nachteil gegenüber der 200-Jahre alten Homöopathie.

X: Fragen Sie mal im Reformhaus nach. Wir führen das leider nicht.

Mrs. MIR: Ja, leider!

Apotheke 3

Wow, genau so stelle ich mir Hogwarts vor!

Mrs. MIR: Guten Tag. Ich habe seit einigen Tagen ein leichtes Halskratzen. Wie gut kann mir da Homöopathie helfen?

X: Unsere Kunden machen da sehr gute Erfahrungen mit der Homöopathie – Gerade im Bereich Halsweh.
(Holt sofort eine Packung Simalsan Halsweh Nr.1 Streukügelchen)
X: Schauen Sie, das ist das beliebteste Produkt.

(Ich gucke es mir an)

Mrs. MIR: Gibt es da verschiedene Geschmacksrichtungen?

X: (guckt erstaunlich verwirrt und verneint knapp)

Mrs. MIR: Ist da eh nicht das Herz einer Amsel drin oder die Milch eines Elefanten? — http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2008/06/16/medikamente-aus-hundekot

X: (Ist sichtlich empört)
Wie kommen Sie denn bitte auf sowas?

Mrs. MIR: Das habe ich im Internet gelesen.

X: Dort steht viel Unsinn!

Mrs. MIR: In der Tat.

X: Wollen Sie noch überlegen, oder wollen Sie diese Globuli haben? Wie gesagt, das ist unser beliebtestes Produkt.

Mrs. MIR: (Sie hat es eilig und ist unfreundlich. Ich fühle mich ein wenig wie am Wiener Naschmarkt.) Aber wirkt es auch?

X: (ist sichtlich genervt und grantig)
Natürlich wirkt es. Sonst würd ich es nicht täglich verkaufen. Zusätzlich können Sie auch noch mit Salbeitee gurgeln und bitte nur lauwarm trinken. Draußen immer schön den Hals warm halten und daheim viel lüften. Wenn ihre Halsschmerzen nicht in ein paar Tagen weg sind, dann gehen Sie zum Arzt. Aber das Mittel wird Ihnen gut helfen.

(Ich kaufe die Kügelchen und bin schockiert vom Preis. Ich zahle 13,90 Euro! Während ich bezahle erklärt Sie mir nebenbei wieviele ich einnehmen soll, aber ich haben andere Pläne. Die Angestellte ist sichtlich nervös und genervt, obwohl das Gespräch nur ganz kurz gedauert hat. Hinter mir stehen 5-7 wartenden Kunden an und die gestresste Angestellte gibt mir sogar zu wenig Retourgeld!
Schließlich ist der Verkauf abgewickelt)

Mrs. MIR: Kann ich die gleich hier und jetzt nehmen?

X: (stöhnt) Ja. Natürlich können´S.

(Ich hole das Fläschchen aus der Verpackung und kippe neben der Kassa alle aufeinmal runter.)

Mrs. MIR: Entschuldigen Sie – Ich habe jetzt alle genommen. Wann werde ich eine Besserung verspüren?

X: (Verdreht die Auge)
Wie, alle auf einmal?

Mrs. MIR: Na, das ganze Fläschchen. Hätte ich das nicht sollen?

X: Das hätten Sie natürlich nicht sollen. Ich habe Ihnen doch gesagt, dass Sie nur 7 nehmen sollen.

(Ich bemerke Gekicher um mich herum. Jetzt komme ich so richtig in Fahrt)

Mrs. MIR: Was passiert mir jetzt? Habe ich mich jetzt vergiftet? Können Sie die Homöopathie-Vergiftungszentrale anrufen?

(Gelächter hinter und neben mir)

X: Herr Magister! Kommen´S bitte mal her!
Die Dame hat versehentlich das ganze Flascherl mit den Similasan genommen.

Herr Magister: (Starrt mich ein paar Sekunden
lang an und lacht dann)

Mrs. MIR: Soll ich mich mal lieber sofort erbrechen, was meinen Sie?

Herr Magister: (Lacht wieder nur)
Geh, hören´S auf. Das haben schon Leute bei so öffentlichen Aktionen gemacht. Da is´ keinem was passiert. (lacht wieder laut) Es wird Ihnen nichts passieren. Das ist ja das Schöne an der Homöopathie. (Wendet sich den wartenden Leuten zu) Wer war der nächste?

Ja, das ist das Schöne an der Homöopathie;) Unschön ist, dass mir der verdammte Zucker immer im Hals klebt. Zucker zu Apothekerpreisen.

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