Sehr geehrte Ärztinnen und Ärzte der Gesellschaft für homöopathische Medizin!

Hail Eris und Ramen!

Vor einigen Wochen ergoss sich eine esoterische Pressemitteilung über das glaubenswillige Volk Österreichs. Angefügt war eine Emailadresse, an die sich homöopathieinteressierte Laien wenden können um Fragen, auch Wissenschaftliche, zu stellen.

Sehr geehrte Ärztinnen und Ärzte der Gesellschaft für homöopathische Medizin!

Ich bin ein Laie, aber sehr an der Homöopathie interessiert. Vor ca. einem Jahr habe ich an mir selbst eine homöopathische Arzneimittelprüfung (AMP) durchgeführt. Ich habe sie korrekt, mehrere Tage lang, durchgeführt. Das Mittel, welches ich einnahm, war Sulphur C30 Streukügelchen. Ich habe aber auch die Vorgaben von Hahnemann beachtet.

Jedoch ist kein einziger Effekt, welcher von der Homöopathie wissenschaftlich bewiesen wurde, eingetreten. Ich habe gar nichts verspürt. Woran kann das liegen?

Vielen Dank für Ihre fachliche Antwort,

Mr. MIR

Auf unverdünnt arrogante Art und Weise wurde die AMP mit einer Einnahme eines echten grobstofflichen Medikamentes verglichen.

Sehr geehrter Mr. MIR,

bezugnehmend auf Ihre Anfrage “Arzneimittelprüfung hat nicht funktioniert”, möchte ich festhalten, dass ein Selbstversuch mit einer potenzierten Arznei in keinem Fall einer homöopathischen Arzneimittelprüfung entspricht. Eine Arzneimittelprüfung verlangt neben der Einnahme der Arznei ein klares Setting, Anamnese, Begleitung durch einen erfahrenen und ausgebildeten Prüfungsleiter, sorgfältige Auswertung der Ergebnisse usw. Auch sonst dient die eigenständige probeweise Einnahme eines Medikaments üblicherweise keiner wissenschaftlichen Aussage.
Nur ein klares Prüfungssetting entsprechend den Regeln einer Arzneimittelprüfung hätte zeigen können, dass bei Ihnen “die Arznei keine Symptome hervorgerufen hat”, eine Aussage, die prinzipiell möglich ist, da nicht jeder Mensch auf jede Arznei gleich reagiert (s. §§ des Organon). Gründe für ein “Nichtreagieren” können auch die ungeübte Wahrnehmungs- und Beobachtungsfähigkeit des Probanden sein, oder Umgebungsbedingungen, die einem Prüfungssetting entgegenstehen (s. ebenfalls die entsprechenden §§ im Organon). Im Übrigen gilt auch hier wiederum, dass auch sonst in der Medizin keine allgemeinen Aussagen davon abgeleitet werden können, wenn ein Medikament bei einem einzelnen Menschen, der dieses Medikament selbst probeweise einnimmt, “nicht wirkt”.

Mit freundlichen Grüßen! PPP

Das Problem liegt also nicht am Experimentensetup, sondern an Experimentator, welcher erstmal eine Glaubensausbildung zu haben hat.

Geehrter Herr Dr. PPP!

Aber damit implizieren Sie ja, dass ich keinerlei Symptome verspühren kann, wenn ich nicht unter der Aufsicht eines homöopathischen Wissenschaftlers bin, während ich, wie vorgeschrieben, homöopathische Arzneien einnehme.

Ich kann Ihnen versichern, das ich alle anderen Hahnemann’schen Vorgaben laut Organon und laut ECCH eingehalten habe. Einzig und allein war kein Homöopathiewissenschaftler bei meiner AMP anwesend.

Da ich selbst Wissenschaftler bin, bin ich in der Lage, alles Vorgegebene einzuhalten. So kann ich Ihnen versichern, dass bei mir kein einziges der Leitsymptome von Sulphur eintrat.

Vielleicht müsste man die Charge meines Globuli-Fläschchens nachvervolgen, denn es könnte ja ein Qualitätsmangel beim Hersteller aufgetreten sein? Bei anderen Medikamenten ist dies ja auch eine Möglichkeit!

Können Sie mir dabei helfen?

Vielen Dank für Ihre Hilfe,

Mr. MIR

Auf die Möglichkeit der Unwirksamkeit der von MIR verwendeten Globulicharge oder aller Chargen wurde nicht eingegangen.

Sehr geehrter Herr Mr. MIR,

nochmals zu Ihrer Anfrage “Arzneimittelprüfung hat nicht funktioniert” und Ihrer neuerlichen Frage:

Als Wissenschaftler ist es uns allen selbstverständlich, dass für einen wissenschaftlichen Versuch, wie ihn auch die homöopathische Arzneimittel darstellt, alle Regeln und Bedingungen exakt eingehalten werden müssen. Nur so sind Kriterien der Wissenschaftlichkeit wie Überprüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit gewährleistet. Dazu gehört bei der Arzneimittelprüfung ein dazu befugter Prüfungsleiter, der die Einhaltung der Regeln (u.a. auch Gesundheit, Unvoreingenommenheit und Eignung des Probanden / der Probandin sowie Qualität der Arznei) überprüft, aber auch die genaue Dokumentation sicherstellt und die fachgerechte Auswertung der einzelnen Ergebnisse vornimmt.

Eine Arzneimittelprüfung wird auch in aller Regel nicht von einem einzigen Probanden durchgeführt, sondern verlangt mehrere Probanden, da ja jeder Proband / jede Probandin auf seine / ihre individuelle Weise reagiert. Das bedeutet auch, dass es nie der Fall ist, dass ein Proband einfach die oder sogar alle Leitsymptome einer Arznei zeigt.

Sie sehen also, dass für eine gute und aussagekräftige Arzneimittelprüfung zahlreiche Kriterien erfüllt sein müssen, die über das einfache Einnehmen einer Arznei nach Schema weit hinausgehen.

Selbstversuche sind wertvoll wie alle Selbsterfahrungen – aber sie bleiben Selbstversuche. Selbstversuche können die wissenschaftliche Arbeit inspirieren, ersetzen diese aber in keinem Fall und können dieser auch nicht gleichgesetzt werden.

mit freundlichen Grüßen

Dr. PPP

Es ist nun Zeit, mal auf den Zahn der Wissenschaft zu fühlen. Welche Art von Wissenschaft kommt da eigentlich zur Anwendung?

Geehrter Herr Dr. PPP!

Sie sagten, dass die Homöopathie auch eine Wissenschaft sei. In diesem Falle müssten Sie fähig sein, mir bitte folgende drei Fragen beantworten zu können:

  1. Auf welchen naturwiss. Fundamenten steht die Homöopathie?
  2. Können Sie mir bitte mitteilen, wie sich diese Wissenschaft der Homöopathie in das Gebilde Physik-Chemie-Pharmazie-Medizin-Psychologie einbetten kann?
  3. Die wichtigste Frage: Falls die Homöopathie eine Wissenschaft ist, so müssen die Homöopathen unaufgefordert ein Experiment designed haben und dies bereits veröffentlicht haben, welches falsifizieren kann, dass die Homöopathie eine Wissenschaft ist (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Falsifikation). Einzig und allein von diesem Experiment, welches weltweit beliebig oft wiederholt werden können muss, hängt es ab, ob die Homöopathie eine Wissenschaft ist.

Ich freue mich sehr, von Ihnen viel neues zu lernen!

Beste Grüße,

Mr. MIR

Das Ende der Argumenation des Schüttelzauberdoktors. Ich sei Skeptiker, deswegen geht es nicht mehr …

Sehr geehrter Mr. MIR,

Es freut mich, dass Sie Neues lernen wollen – bis jetzt hatten wir eher den Eindruck, dass die Gruppe der Skeptiker, der Sie anscheinend angehören, lediglich am Bekämpfen der Homöopathie interessiert ist und nicht offen für andere Perspektiven in einen echten und ehrlichen Dialog treten möchte. Ihre sachlichen Fragen nehmen wir jedoch gerne zur Kenntnis und in der Annahme Ihres echten Interesses, beantworten wir sie auch.

Nun, eigentlich sollte es klar sein, dass „ Wissenschaft“ und „ Naturwissenschaft“ nicht ident sind. Wissenschaft ist ein System normativen und methodisch kontrollierten Wissens. Normativität bedeutet, dass ihre Ergebnisse allgemeine Gültigkeit beanspruchen indem ihre Ergebnisse Handlungsnormen aufstellen, die aufgrund ihres Allgemeincharakters und ihres Allgemeinanspruches akzeptiert werden. Jede Einzelwissenschaft untersucht ihren bestimmten Gegenstand mithilfe einer wissenschaftlich definierten Methode. Heutige Wissenschaft findet vorwiegend in Einzelwissenschaften statt, die sich in etwa in Strukturwissenschaften, Naturwissenschaften, Humanwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Geisteswissenschaften usw. gliedern lassen.

Wissenschaften, die sich auf die Anwendung des Wissens in der Praxis beziehen, sind sogenannte „angewandte Wissenschaften“. Dazu gehört auch die Medizin, die sich heutzutage größtenteils naturwissenschaftlich definiert, sich aber auch mit den Humanwissenschaften und Sozialwissenschaften überschneidet.

Durch behauptete oder abgesprochene „Wissenschaftlichkeit“ (ohne diesen Begriff dabei genauer zu befragen) heutzutage über Anerkenntnis oder Ablehnung einer Methode zu entscheiden ist eine recht unreflektierte und zu bedauernde Praxis. Denn der behauptete Wahrheitsanspruch und die reale Vormachtstellung der Wissenschaft in der Gesellschaft sind keineswegs unumstritten. So zeigte Paul Feyerabend[1] (1924 – 1994) dass auch wissenschaftliche Standpunkte auf unwissenschaftlichen Annahmen gründen und von Traditionen und Vorurteilen ausgehen. Die von der Wissenschaft behauptete Objektivität stellt sich daher als brüchig heraus. „Wissenschaftler selbst haben keine rationalen (wissenschaftlichen) Argumente für die ausgezeichnete Stellung ihrer Lieblingsideologie.“[2]

Der Nachweis des Vorteils der Wissenschaft gegenüber anderen Traditionen wäre erst zu erbringen. Dies ist aber nur möglich, wenn auch die Verfahrensweisen anderer Traditionen mit gleichem Ernst und Aufwand in vergleichbarer Weise geprüft würden und in einen freien Wettbewerb mit den Wissenschaften treten könnten. Außerdem müsste die Wissenschaft um ihre Vormachtstellung zu legitimieren, auch den Nachweis erbringen, dass keine andere Tradition je Vergleichbares hervorgebracht hat (auch das übrigens passend zum Thema „Falsifikation“)

Die wissenschaftlichen Prozesse werden so gedacht, als funktioniere die Natur wie eine Maschine, was am besten gelingt, wenn man Qualitatives quantifizieren, also in Zahlen umwandeln kann. Dass genau das jedoch nicht möglich ist, ist eine naturwissenschaftliche Binsenweisheit, auch wenn immer wieder versucht wird, Qualität in Skalen zu bewerten (diese Skalen geben aber nur ein Mehr oder Weniger davon an, bestimmen jedoch die Qualität selbst nicht ausreichend).

Die Homöopathie arbeitet nun in erster Linie mit Qualitäten des Befindens, Empfindens, Fühlens, … des Patienten, – genau also mit dem, woran der Patient / die Patientin leidet. Da zusätzlich die Ganzheit des Patienten in seiner Individualität und Personalität Voraussetzung unseres (regelhaften! S. Organon der Heilkunst von Hahnemann) Handelns ist (wir behandeln immer den ganzen Menschen in seinen Beschwerden, Sorgen und Nöten) versteht sich auch von selbst der aus der Gestaltpsychologie wohlbekannte Grundsatz, dass das Ganze mehr ist, als die Summe aller Teile. Genau diese „mehr“ ist es auch, das sich der naturwissenschaftlichen Quantifizierbarkeit entzieht und in ein Netz von Kontexten und Bedingungen führt, das zwar mit Wahrscheinlichkeiten beschrieben, nicht jedoch mit absoluter Berechenbarkeit definieren und festlegen lässt.

Es wird immer wieder übersehen, dass die ganze Medizin, die ja niemals eine theoretische Wissenschaft wie die Physik oder Chemie ist, sondern ebenfalls wie die Homöopathie am Menschen praktisch handelt und als angewandte Wissenschaft arbeitet, mit dieser Unschärfe zu kämpfen hat. Medizin ist selbst keine Naturwissenschaft. Außerdem funktioniert der lebendige Mensch nicht wie eine Maschine, auch wenn sich in diesem Lebendigen natürlich auch – aber eben nicht nur – physikalische, chemische, mechanische … Prozesse verlässlich abspielen.

Daher muss es klar sein, dass die Homöopathie nicht restlos mithilfe naturwissenschaftlicher Methoden definierbar und eingrenzbar sein kann – jedoch auch auf einer Basis steht, die sie als angewandte Methode z.B. auch mit der gesamten Medizin teilt.

HomöopathInnen sind sich dieser Tatsachen völlig bewusst und arbeiten in zahlreichen Arbeitsgruppen (s. z.B. „Wisshom“, wo im übernationalen und vereinsübergreifenden Kontext an diesen Fragen u.a. gearbeitet wird) daran, die Methode der Homöopathie auch im heutigen intellektuellen Kontext als überprüfbare, nachvollziehbare, mitteilbare, lehr – und lernbare Methode zu bestimmen, die gerne in den Dialog mit anderen Wissenschaften tritt, so diese auch bereit sind, Fragen offen und nicht polemisch oder rein rhetorisch zu stellen.

In diesem Sinn habe ich auch Ihnen diesmal sehr ausführlich geantwortet, in Wertschätzung Ihrer Sachlichkeit und Ihres ausgedrückten und von mir als ehrlich angenommenen Interesses.

Es wird sicher, auch aus rein zeitlichen Gründen, nicht möglich sein, auf diese Weise eine ausführliche Privatdiskussion weiter zu führen, des halb verweise ich sie mit Ihren weitern Fragen z.B. an Wisshom und die zuständigen Arbeitskreise und Publikationen.

Eine abschließende Frage möge mir aber dennoch erlaubt sein: Warum fürchten Sie sich so vor der Homöopathie? Wovor haben Sie (die Skeptiker) eigentlich wirklich Angst?

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. PPP

Da ein verlangtes Falsifikationsexperiment nicht von den Homöopathen kommen kann, komme es von MIR:

Geehrter Herr Doktor!

Meine Fragen an Sie, die Wissenschaftlichkeit der Homöopathie betreffend, sind nicht davon abhängig ob ich Skeptiker bin oder ob ich bereit bin, an etwas total unbegründetes zu glauben und dafür Geld auszugeben. Ausserdem will kein Skeptiker, von dem ich bis jetzt etwas homöopathiekritisches gelesen habe, die Homöopathie bekämpfen. Was aber gewollt ist, von Skeptikern und von MIR, ist, endlich eine wissenschaftliche Herangehensweise von der durch Apothekenpflicht verwöhnte Homöopathie einzufordern.

Bevor Sie beginnen die Wissenschaften in irgendwelche Ihnen angenehme „Handlungsnormen“ einzuteilen, lassen Sie mich festhalten, dass Sie das oberste Kriterium bereits verletzt haben, welches die Homöopathie als Wissenschaft hätte gelten lassen können: Ein Experiment vorzuschlagen, welches zu einer Falsifikation Ihrer Behauptungen führen kann. Anstatt dass Sie für Ihr Glaubenssystemen ein Experiment angeben wollen, verlangen Sie erstmal eine, wohl auf Homöopathieverträglichkeit abzielende, Selbstanalyse der Wissenschaft. Dies ist lächerlich. Seien Sie sich sicher, dass die Wissenschaftstheorie in den letzten 200 Jahren, in denen die Homöopathie dogmenhaft vor sich hinvegetierte, grosse Fortschritte gemacht hat. Auch hat die Medizin solche Fortschritte gemacht – heute sind „Miasmen“ nicht mehr als Erklärung von Krankheiten brauchbar.

Sie deuten auch richtigerweise an, das die Medizin keine reine Naturwissenschaft ist. Dazu ist jedoch anzumerken dass die psychische Komponente der Medikamentengabe durch die Placeboforschung und andere Ansätze angegangen werden kann.

Somit sind wir auch schon beim zentralen Stichwort „Doppelblindstudien“ angekommen. Sind Sie bereit, eine doppelblinde AMP von dem von mir getesteten Homöopathikum Sulphur C30 mit dem ebenso spirituellen, sanften und nebenwirkungsfreien Sulphur der neuen FSMoPathischen Geneskunde durchzuführen? Wenn ja, klicken Sie bitte hier!

Das Fliegende Spaghettimonster möge Ihnen beistehen!

Fortsetzung folgt, es wird weitergeschüttelt!

Ramen.

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